Zillertaler Bergführer
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Die Schatztruhe

Vaters Ausrüstung war ein mix aus Bergluft, Schweiß, Freiheit und Abenteuer.

Klein und unscheinbar stand sie im Hausgang, nicht wertvoll und kitschig bemalt. Trotzdem hatte sie eine magische Aura. Für meinen Bruder Andreas und mich hatte sie all das, von dem wir bis zu dieser Zeit nur vom Erzählen wussten.

Eine gewöhnliche Holztruhe, keinen halben Meter hoch. Der Inhalt? Vaters Bergausrüstung. Der Geruch, manche würden sagen leicht stinkig, für uns ein Mix aus Schweiß, Bergluft, Freiheit und Geschichten. Immer wieder und öfter wurde sie entleert, um dann die einzelnen Ausrüstungsgegenstände wieder fein säuberlich zurücklegen zu können. War Vater zu Hause und hatte Zeit, wurde gefragt und ausprobiert, für was dieses und jenes gut sei, sodass wir als knapp 10- und 12- Jährige schon ziemlich genau wussten, was damit anzustellen ist. In diesen Momenten tauchten wir ab in die Welt von Vaters Geschichten und Anekdoten, zum Teil gruselig mit Bergunfällen bespickt, deren Tragweiten uns erst sehr viel später in ihrem ganzen Umfang bewusstwurden.

Der damalige alpinistische Höhepunkt war unser „Bergfamilienausflug“. An einem Wochenende während der Sommerferien ging es auf eine Alpenvereinshütte in den Zillertaler Alpen. Genauer auf die Greizer Hütte, zu den Wirtsleuten Rudl und Minal. Aufgeregt wurden im menschenleeren Moränenbereich Steine losgetreten, im Lager geschlafen und am Sonntagabend glücklich und müde wieder nach Hause zurückgekehrt.

#365 Tage Freude am Ursprung