Wenn der Olperer erzählen könnte
1949
Ich, der Olperer, blicke auf rund 30 Millionen Jahre zurück. Aus hartem Granitgneis geformt, stehe ich als markante Pyramide zwischen Gletschern und Graten am Tuxer Kamm.
Mein Name war einst umstritten – Dr. A. v. Ruthner wollte mich 1867 „Rippenköpfe“ nennen, doch man entschied sich glücklicherweise für „Olperer“. Mein östlicher Nachbar, die Gefrorene Wand, und ich werden vom Rippenferner umflossen, dessen Wasserfälle den Friesenberger Fall speisen.

Am 10. September 1867 erreichten Paul Grohmann, Georg Samer und Jakob Huber erstmals meinen Gipfel über den Südostgrat, den „Schneegupfgrat“. 1876 folgte Dr. Ferdinand Löwl, der mich in seinem Werk „Vom Zillertaler Hochgebirge“ bekannt machte. 1881 standen Zsigmondy, Purtscheller und von Böhm auf meinem Haupt – und prägten dort den Gruß „Berg Heil“.
In den folgenden Jahren errichteten die Zillertaler Bergführer Hütten und Steige: die Olpererhütte (1879), Dominikushütte (1883) und Geraer Hütte (1895). Hans Hörhager brachte um 1900 meine ersten Eisenbügel an – bis heute eine Hilfe für viele Bergsteiger.
Zwei Weltkriege zogen über mich hinweg. Ich musste zusehen, wie Menschen, die mich liebten, einander töteten. Doch nach 1949 kam wieder Leben zurück: Skifahrer und Wanderer belebten meine Hänge, die „Schiliftgesellschaft Hintertux“ eröffnete den ersten Sessellift, später entstand der Schlegeisspeicher.
Heute freue ich mich über alle, die in Frieden meine Wege gehen – ob im Sommer oder Winter. Ich bin stolz, stark und manchmal rau – so, wie mein Gestein.