Zillertaler Bergführer
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Über uns

Ein Gespräch mit Stefan Wierer

Welcher Moment am Berg hat dich mental am meisten geprägt — positiv oder negativ?

Positiv:
Am meisten beeindruckt und berührt mich immer wieder, wenn bei Gästen sich ehrlichste Emotionen zeigen. Wenn sich in ihren Gesichtern die vielseitige Schönheit unserer Bergwelt widerspiegelt und du in dem Moment weißt - du bist Teil davon.

Negativ:
Der wachsende „Einzelnarzissmus“ der sich auch in den Bergen breit macht. Dass Wenige Schreihälse bestimmen möchten, was die gesamte Gesellschaft zu tun oder sich zu verhalten hat.

Was unterschätzen die meisten Menschen am Bergsteigen komplett?

Das die schönsten, bewegendsten, tiefsten Momente im Vorfeld eine zu erbringende Leistung und Entbehrung zu Grunde liegt - es ist immer noch so, dass der Mensch der sein Ziel erreicht es als wertvoller erachtet, wenn die Leistung dafür groß war.

Wann hast du zuletzt bewusst umgedreht, obwohl das Gipfelziel greifbar war?

Leider wird in jüngster Zeit „umdrehen“ oder abbrechen mit „versagen“ verwechselt, es passiert immer wieder, dass aufgrund von nicht vorhersehbaren Einflüssen ein Ziel neu definiert werden muss, auch kurz vor dem vielleicht möglichen Gipfel.

Wie erkennst du frühzeitig, ob jemand in einer Gruppe zur Gefahr werden könnte?

Als Bergführer hat man nicht Psychologie studiert und doch ist eine rasche Einschätzung seiner Gäste wichtig - schlussendlich hängt man irgendwann gemeinsam am Seil - Es sind die vielen kleinen Dinge, denen man vom Erstkontakt weg Aufmerksamkeit schenkt und so sehr schnell zu einem Gefahrenbild jedes Einzelnen kommt, die Frage dabei ist, beeinflussen diese gesetzten Handlugen die Gruppe oder stellen sie gar den Gipfelerfolg in Frage.

Hat sich der Respekt vor den Bergen durch Social Media und Massentourismus verändert?

Massentourismus ist ein Phänomen der Masse - ein bestimmter Teil einer Natur verträgt nur eine bestimmte Anzahl an Personen wird es zu viel leiden beide darunter. Allein die Verbreitung von Naturschönheit im Netz ist für mich primär ein Zeichen etwas Schönes erlebt zu haben, dass ich gerne Teile - die Ableitung des Dritten es ist alles einfach und schnell und ohne Risiko zu erreichen und ein „must have“ zu machen hat sicher eine zu hinterfragende Veränderung auch im Respekt vor der Natur mitgebracht.

Welche Tour in den Alpen würdest du jedem empfehlen, der „echtes“ Bergerleben sucht?

Als der Mensch, der in einer stark frequentierten Region dem Zillertal seine Heimat hat, gehe ich für mich schon in der Planung meines Ziels auf Berge ohne klingenden Namen, der zweite oder dritte Berg neben einen „Hauptdarsteller“ kann schon ursprüngliches, echtes vermitteln.

Was macht für dich einen guten Bergführer aus — technisch und menschlich?

Auf diese Frage gibt es die Antwort eines Gastes, der meinte: „Mit einem guten Bergführer kann man am Abend am Hüttentisch gute Gespräche über viele Themen führen.“ Das ein Bergführer bergsteigen kann setze ich voraus, dass er sein Können und die Möglichkeiten damit einschätzen kann ist der wichtigste Punkt, um in diesem Beruf zu überleben - also macht „das Geschäft“ die Menschlichkeit, und da nicht Jeder mit Jedem kann, wird es viele gute Bergführer geben.

Gab es Situationen, in denen Intuition wichtiger war als Erfahrung oder Planung?

Auch wenn es nicht gerne gehört wird, aber Intuition entsteht durch selbst gemachte, überlebte Erfahrungen. Intuition oder Bauchgefühl oder von mir aus auch Instinkt vor der Gefahr ist die einzige Anhaltspunkt kurz vor der Handlung für mich gilt es zu unterscheiden: einem großen Augenmerk gehört die Planung sie sollte grobe Gefahren ausschließen, Erfahrung mit ähnlich bereits gemachten Situationen in Abwägung mit den Voraussetzungen deiner Gäste die nächste Stufe - und Intuition, Bauchgefühl oder eben Instinkt sind die letzte Feinabstimmung, das Salz der köstlichen Suppe.

Wie gehst du mit Angst um — deiner eigenen und der deiner Gäste?

Angst ist ein Schutzmechanismus, der aus dem innersten eines Menschen kommt, sie zu übersehen, weg zu leugnen oder gar ins lächerliche zu ziehen, ist das Verwerflichste, was die Gesellschaft machen kann. Wenn ein Mensch alle Hürden nimmt um dir als Fremden sein innerstes Gefühl anvertraut hast du ersten einen persönlichen Ritterschlag erlebt und du hast alle die damit verbunden Fragen ernst zu nehmen.

Wenn du nur noch einen einzigen Berg besteigen dürftest: welcher wäre es und warum?

Der letzte Berg wäre ein Berg in meiner Heimat der einen grandiosen Rundumblick auf alle anderen Berge hätte, es wäre wie bei Alfons Hörhager am Schönbichler Horn - ein letztes Danke fürs Überleben lassen und ein letztes „behüte euch Gott“.

#365 Tage Freude am Berg