Zillertaler Bergführer
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1863 - 1893 Erstbesteigungen in den Zillertaler Alpen mit Zillertaler Bergführer

Berichte über Bergfahrten in den Zillertaler Alpen
mit Zillertaler Bergführern der ersten Stunde,
als erste Dienstleister am Berg und erste Botschafter
der Schönheit und Gastfreundschaft des Zillertals

Aus dem Band: Die Erschließung der Ostalpen
herausgegeben vom Deutschen u. Österreichischen Alpenverein
Redaction Prof. Dr. E. Richter III Band Berlin, 1894

Spannenderweise steht gerade der höchste Gipfel der Hochfeiler (3510m) für die Bergführer der ersten Stunde im Zillertal. Bezeichnend auch, dass gerade an diesen Berg auch die verschiedenen Stärken und Charakteren der einzelnen Zillertaler Bergführer erster Stunde, am besten zu erkennen sind. Die gesamte ca. 30 Jahre dauernde Erschließungs- und Erstbesteigungsgeschichte vor allem am Zillertaler Hauptkamm mit Ausnahme der Reichenspitzgruppe ist von diesen Männern als Begleiter oder Bergführern geprägt. Erst mit der Gründung der alpinen Vereine des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins und der daraus kommenden Bewegung des „Führerlosen“ Bergsteigens und der Idee den Alpinismus als Massenbewegung zu etablieren mussten diese Männer mit einer ersten Verdrängung zurechtkommen. Die fachkundig aufgeschriebene Besteigungsberichte räumt ihren Platz als erste Begeher diverser Anstiege in den Zillertaler Alpen wieder frei. Immer wieder stößt man auf diese Männer die es verstanden die Schönheit und Besonderheiten der Zillertaler Alpen den ersten Gästen im Tal, ihren Gästen näher zu bringen und wurden damit erste wahre Dienstleister am Berg und erste Botschafter des Zillertal und seiner ehrlichen Gastfreundschaft. Alle Besteigungsberichte die mit Bergführern aus dem Zillertal unternommen wurden sind aus dem Band „Die Erschließung der Ostalpen“ entnommen, der sehr aufschlussreiche Informationen zu Anstiegen, Übernachtungsmöglichkeiten und Ausrüstungen gab, hier gehört den verantwortlichen Herrn Prof. Dr. E. Richter (1847-1905) und Herrn Dr. phil. Carl Diener (1862-1928) großer und aufrichtiger Dank ausgesprochen, ihre Aufzeichnungen tragen im wesentlichsten zu den im Rahem derr 125 jährigen Geschichte der Zillertaler Bergführer gegen das Vergessen bei.

Der Große Erschließer der Zillertaler Alpen:
Georg Samer „Joseler“
– der gemeinsam mit Peter Fuchs aus dem benachbarten Pfitscher Tal verantwortliche Führer am 24. Juli 1865 bei der Erstbesteigung mit Paul Grohmann den großen Alpinisten und Mitbegründer des österreichischen Alpenvereins waren.

Erste konzessionierte Bergführer und Gastronom;
David Fankhauser aus Rosshag –
der große Stratege und wirtschaftlich denkende Kopf unter den Zillertaler Bergführern, der auch am Hochfeiler über den bereits bekannten Anstieg mit honorigen Kunden neue Wege suchte.

Ester konzessionierter Bergführer, Wegebauer und Extremalpinist unter den Zillertaler Bergführern
Hans Hörhager Lippenaste
– dem mit seinem eher unbekannten Gast Dr. Franz Dyck im Jahr 1887 mit der Erstbegehung der Hochfeiler Nordwand „Eiswand“ eine große alpinistische Leistung gelang.

Hans Hörhager der auch in weiteren Berichten damals wie heute immer mit verwegenen Anstiegen im Gast / Bergführerverhältnis aufmerksam machte.

Vertreter der ersten Bergführerdynastie die „Juttner“
Franz „Juttner“ Wechselberger
– der bei vielen Bergfahrten als zweiter, leistungstarker Bergführer eingesetzt wurde, mit seinem Gast dem hohen Funktionär der Sektion Berlin L- Grün und Herrn Stöhr die Zweitbegehung der Hochfeiler Eiswand gelang.

In vielen Gebirgsgruppen tätig, sein Einsatzbereich überdeckt den gesamten Bergführerberuf
Sepp Fankhauser –
in den weiteren Besteigungsberichten eine immer wieder auftretende Persönlichkeit, der für großen Einsatz und Können steht.

Stellvertretend für alle von Zillertaler Bergführern mit ihren Gästen Erstbestiegen Zillertaler Gipfel der Hochfeiler.

Erstbesteigung Hochfeiler

Hochfeiler 3523m. Aus dem Zillerthaler Hauptkamme gegen Nordwesten vortretend, erhebt sich in dem vergletscherten Scheiderücken zwischen dem Pfitscherthal und Schlegeisthal der Culminationspunkt der Gruppe, der Hochfeiler. Mit furchtbarer Steilheit stürzt sein allenthalben in Schnee und Eis gehüllter Gipfel gegen Osten zum Schlegeisgrund nieder, während gegen Westen ein breiter, von den Firnströmen des Weisskar- und Gliederferners umflossener Kamm in sanften Abdachungen sich gegen den Pfitscher Unterberg senkt und so gewissermassen auf den ersten Blick den natürlichen Zugang zu der stolzen Hochwarte bezeichnet.

Auf diesem Wege ist denn auch in der That die erste Ersteigung des Hochfeilers am 24.Juli 1865 durch Paul Grohmann mit den Führern Georg Samer (Josele) aus Breitlahner und Peter Fuchs aus St. Jakob ausgeführt worden. 1) Eine schlechte Hütte im sogenannten << Glied >>, dem hintersten Theile des Unterbergthales, 2 ½ Stunden oberhalb St. Jakob, bot das erwünschte Nachtlager. Am anderen Morgen wurde zunächst die Zunge des grossen Gliederferners betreten und ein Stück weit aufwärts verfolgt. Der Gletscher erwies sich als nur unbedeutend geneigt, vollständig ausgeapert und zeigte eine grosse Anzahl gleichmässig gebauter, schmaler Klüfte, die aber kein Hinderniss bildeten. Sobald als thunlich wandte man sich den Abhängen des vom Feiler gegen Südwesten abdachenden Rücken zu. Man traf hier allenthalben gut gangbare Felspartien, unterbrochen durch sanft geneigte Schneefelder, die bis zur eigentlichen Spitze emporziehenden Schneide ohne jede Schwierigkeit verfolgt werden konnten. Auch diese war leicht zu überschreiten, und schon 3 ½ Stunden nach dem Aufbruch von der Hütte im Glied hatte man die Genugthuung, den stolzen Gipfel des Hochfeilers zu betreten, der mit einer gewaltigen Wächte gegen das 600 – 700 m. tiefer gelegene Schlegeisthal überhing. Nebel beeinträchtigte die Aussicht in nicht unerheblichen Masse und war wohl die Veranlassung zu manchen topographischen Irrthümern, die durch Grohmann´s Schilderung gezeitigte und erst von seinen Nachfolgern allmählig berichtigt wurden.

1) Z.A.V. II, 1870/71, I.Abth., 127 und Jb. Oe.A.V. II, 337

Besteigung des Hochfeilers über die Griesscharte

Im Aufstieg wurde diese Tour von Prof. Ferdinand Löwl mit David Fankhauser aus Rosshag am 31. August 1877 wiederholt. Um 3 U. früh verliessen die Genannten ihr primitives Nachtlager in der Herbergalpe bei ziemlich zweifelhaftem Wetter und stiegen über steile Grashänge und schlüpfrige Schieferplatten pfadlos in das Kar der Röthe empor, auf dessen oberster Terrasse das Hochstellerkees aufruht. Zuerst wurde die Richtung gegen die Griesscharte eingehalten, dann das Hochstellerkees in südöstlicher Richtung gequert und um 6 U. der Fuss der Felsmauer erreicht, deren oberen Rand der Oberbergfirn mit seiner senkrecht abbrechenden, wild zerborstenen Eisschicht krönt. Von einer schmalen Lücke im Eisabbruch zog eine tiefe eingerissene Klamm in schräger Richtung durch die nach Löwl´s Schätzung 500 m. hohe und im Mittel 55° geneigte rothbraune Felswand herab und schien den relativ besten Anstieg zu vermitteln. Die Erkletterung der Wand fand Löwl nicht besonders schwierig, wohl aber des häufigen Steinfalls wegen gefährlich. Eine Stunde genügte, um auf den Oberbergfirn zu gelangen. Die Wanderung über denselben gestaltete sich zu einem wahren Spaziergange. Auf der Höhe des den Hochferner mit dem Feilerkamm verbindenden Rückens jedoch gerieth man in dichten Nebel, der auch auf der Spitze des Hochfeilers, die Punkt 9 U. betreten wurde und während des Abstieges in das Pfitscherthal bei den beiden Bergfahren ein treuer Begleiter blieb.

Besteigung durch die Nordostwand Hochfeilers „ Hochfeiler - Eiswand“

Im August 1887 bewerkstelligte Dr. Franz Dyck mit dem Führer Hans Hörhager aus Dornauberg einen Aufstieg vom Schlegeiskees durch die Nordostwand auf die Spitze des Hochfeilers. 2) Schon im August 1883 hatte Dr. Eduard Suchanek (Wien) mit Führer Stabeler aus Taufers einen Versuch unternommen, den Hochfeiler direct vom Schlegeiskees über die grosse Eiswand zu erkilmmen, war jedoch oberhalb der Randkluft durch die abschreckende Steilheit des Firnhanges zurückgeschlagen worden. 3) Der Sommer des Jahres 1887 erwies sich für einen solchen Versuch bei Weitem günstiger. Die Schneewächte des Gipfels war theilweise abgestürzt, und aus der stark ausgeaperten

Firnwand traten vielfach Felspartien zu Tage. Der argen Zerklüftung des Schlegeiskeeses halber wurde die obersten Firnterrassen desselben von der Röthe aus auf dem Wege

Dr. Lammer´s gewonnen. Man traversierte von dort knapp unter den hohen Firnwänden nach Südosten und überschritt den Bergschrund bedeutend rechts unterhalb des Gipfels mittelst halbstündiger Stufenarbeit. Nun hielt man sich links und gelangte ohne besondere Schwierigkeiten über schuttbedeckte Felsrippen und Schneecouloirs bis nahe unter den Gipfel. Dort zeigte sich eine grössere Felsfläche ausgeapert, von der sich rechts und links felsrippen durch die Eiswand emporzogen, etwa bis zum Beginn des letzten Drittels der Wandhöhe. Man benützte nun zuerst die rechte Rippe zum Aufstiege, bis dieselbe unter dem Eis verschwand, überquerte dann die Eiswand unterhalb der überhängenden Gipfelwächte in einer Stunde bis zu der erwähnten linken Felsrippe und kletterte schliesslich über die letztere empor. Das letzte Stück des Anstieges wurde auf einem nur wenig aus der Wand hervortretenden Eisgrat, der direct zur Spitze führte, zurückgelegt, da eine breite Bresche in der hier abgestürzten Wächte den Zugang ermöglichte. Vom Bergschrund bis zum Gipfel benöthigte man 4 Stunden. Eine seltene Combination ungewöhnlich günstiger Verhältnisse hatte eine so rasche Durchführung dieser ausserordentlichen Unternehmung ermöglicht. 1)

Zweite Besteigung durch die Nordostwand Hochfeilers „ Hochfeiler - Eiswand“

Eine zweite Begehung der Nordostwand des Hochfeilers erfolgte am 30. August 1892 durch L. Grün und P. Stöhr (Berlin) mit Franz Wechselberger und Sepp Fankhauser als Führern. Der Aufstieg von der Randkluft zum Gipfegrat nahm ebenfalls 4 Stunden in Anspruch. Doch hielt sich diesmal die Gesellschaft mehr rechts näher der Spitze des Hochfeilers zu. Während Dr. Dyck die Nordostwand grösstentheils eisfrei gefunden und den Anstieg zumeist über schuttbedeckte Felsrippen bewerkstelligt hatte, konnten seine Nachfolger nur oberhalb der Randkluft und knapp unter der Spitze aperes Felsterrain benützen, während die Zwischenstrecke sich als steile Firnwand erwies, deren Ueberwindung eine dreistündige Stufenarbeit erforderte.

2) Oe.A.Z. 1890, 22 u. 45.     3) M.A.V. 1885, 10.

1) Vergl. Auch Z.A.V. 1884, 187 u. M.A.V.  1884, 336       2) L. Grün, Oe.A.Z. 1893, Nr. 368, 39.

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