Zillertaler Bergführer
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Fiechtl Hans

 

Hans Fiechtl
1884 - 1925
„Schwachz´n- Stua Hansl“

Mitbegründer des modernen Alpinismus, Erfinder des ersten
zuverlässigen Felshaken, erfolgreichster Bergführer der Ostalpen in
der alpinen Entwicklungsgeschichte der 1920iger

Der legendäre Hans Fiechtl – vielschichtige Charaktere und außergewöhnliche Persönlichkeit.

In der Zwischenkriegszeit war es nicht ungewöhnlich, dass man aus wirtschaftlichen Überlegungen den Wohnort mehrfach wechselte. So landwirtschaftlicher Besitz leistbar war, wurde auch oft die engste Heimat verlassen. Die Familie Fiechtl zog von Schwendau nach Münster wo vom Erlös des Almverkaufs durch den Vater Matthias Fiechtl, eine größere Landwirtschaft erworben wurde, ein Zillertaler blieb man trotzdem. 

In der Kinder- und Jugendzeit auf der zum elterlichen Besitz gehörenden Schwarzensteinalm, als Hüterbub eingesetzt, entwickelte sich Fiechtl´s Klettertechnik die als äußerst sicher und katzenhaft beschrieben wird.Ob Hans neben seiner Bergführerausbildung einen weiteren Beruf erlernt hatte und wie er die schwierige führungsfreie Zeit überbrückte, ging aus Aufzeichnungen nicht hervor, sein handwerkliches Geschick und ein dazu gehöriges ausgeprägtes Vorstellungvermögen wird jedoch öfters erwähnt.

Die Gründe für Hansl´s Alkoholgebrauch waren allgemein bekannt störten gesellschaftlich niemanden und schmälerte unter den Kletterern und Bergführern der damaligen Zeit den Respekt vor Fiechtl´s Leistungen nicht. Hans Fiechtl hat auch hier einen – seinen eigenen – ganz besonderen Umgang damit gefunden, sonst wären nicht solche sportlichen Leistungen und keine professionelle Führertätigkeit im Allgemeinen möglich gewesen. Wie vermerkte Ernst Schmid treffend vor der Begehung des Ypsilons (- Fiechtl´s letzte große Herausforderung) in der Seekarlspitz-Nordwand: „Als wir morgens eilenden Schrittes den Fuß der Wand erreichten, war unser Alkoholpegelstand durch reichliches Schwitzen so weit gesunken, dass wir bergfahrttüchtig schienen. Vorsichtshalber unterzog sich Fiechtl eines Alkoholtests und blies zur Kontrolle ins Pfeifenröhrl. Die Analyse ergab: Nikotingehalt hoch, Alkohol vom Winde verweht – kaum wahrnehmbar!“

Ein zweiter Aspekt, der immer wieder mit Hans Fiechtl in Verbindung gebracht wurde, war sein Zugang zur „Tarifgestaltung“. Wie in Berichten zu lesen ist, verband sich Hans mit dem Seil auch gerne mit Bergsteigern nur der Gaudi halber, vor allem aber wenn eine „pfundige Erstbegehung“ winkte. Damals wie heute wird kostenloses oder verbilligtes Anbieten von Bergführertätigkeiten kritisch bewertet, schafft Neid. Es ist vorstellbar, dass die Grundeinstellung von Hans Fiechtl: Eine mehr oder weniger kostenlose „weil´s a pfundige war Tour“ zu dem Vermerk „Fiechtltarif“ führte.

Das Hans dabei war eine Familie zugründen ist durch Erzählungen direkter Nachkommen belegt.

Zu seiner Todesursache gab es viele unterschiedliche Vermerke. Ein Absturz im Abstieg, im leichten Felsgelände des Wilden Kaisers während einer Führungstour in Folge eines Schlaganfalls ist die gesicherste Erklärung.  

Der Erfolg Hans Fiechtls ist auf jeden Fall unbestritten. Er war eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit vielen neuen Ideen und Wegen (Fiechtlhacken, Anfängerkurse, Jugendarbeit in der Sektion Kufstein,…), erster Lehrmeister großer Kletterer, ein Vordenker in Richtung alpiner Sicherheit und selbst einer der leistungsfähigsten Felsgeher seiner Zeit, Kamerad, leidenschaftlicher Kletterer und Zillertaler Bergführer.

Hans Fiechtl 1884 - 1925 „Schwachznstua Hansl“

Mitbegründer des modernen Alpinismus,
Erfinder des ersten zuverlässigen Felshaken,
erfolgreichster Bergführer der Ostalpen in der alpinen Entwicklungsgeschichte der 1920iger

Geboren am 13. April 1884 in Schwendau im Zillertal, dem Matthias Fiechtl, Bauer und Bergführer (Jahrgang 1847, als Bergführer behördlich autorisiert 1888), und seiner Frau Elisabeth, geborene Rauch, als eines von zwölf Kindern (10 Buben und 2 Mädchen), begleitete Hans bereits in frühen Jahren seinen Vater auf die im Familienbesitz befindliche Schwarzensteinalm, wo er als Hüterbub eingesetzt wurde.

Schon bald entfachte im jungen Hans die Leidenschaft für das Bergsteigen. Äußerlich war sein Talent nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Seine gedrungene Statur gab wenig Rückschluss auf die athletischen Fähigkeiten von Hans. Der blaue, verschossene Leinenjanker, in späteren Jahren die speckige Kaiserjägermütze schief über´m Ohr, sein rotbrauner Haarschopf und die geliebte Pfeife waren sein Erkennungsmerkmal.

1895 verkaufte Matthias Fiechtl die Alm samt Eigenjagd an die Sektion Berlin des DuOeAV, um heimischen Interessen eines Hotelbaus im Bereich der Almhütte zuvorzukommen. Johann Fiechtl, inzwischen wohnhaft in Münster, wurde als Siebzehnjähriger (1901) bei dieser Sektion behördlich legitimierter Träger – die Eintrittsstufe zur Bergführerausbildung, die zur damaligen Zeit dem DuOeAV unterstand.

1902 wurden nur drei Bergführerkurse, und zwar in Bozen, Salzburg und Innsbruck, abgehalten, da sich für den Villacher Kurs zu wenig Teilnehmer gemeldet hatten, andererseits für den Innsbrucker Kurs die Anmeldungsanzahl so groß war, dass derselbe in vier Gruppen abgehalten werden musste. Die Kursdauer wurde verlängert. Ferner wurde an dem Grundsatz festgehalten, dass nur jenen Führern, welche die Durchschnittsnote Sehr Gut oder Gut erzielten Zeugnisse auszufolgen - auszustellen seien, während jene, die nur einen genügenden Erfolg aufweisen zur Wiederholung des Kurses im nächsten Jahr veranlasst werden.

Interessanterweise nahm Fiechtl am Salzburger Kurs teil. Der Kurs in Salzburg unter der Leitung des Herrn Prof. E. Fugger begann am 3. März und endete am 15. März 1902. Zu demselben waren 22 Teilnehmer erschienen, von welchen 18 Zeugnisse erhielten. Mit sehr gutem Erfolg bestanden aus dem Zillertal neben Fiechtl auch noch die Teilnehmer Johann Fankhauser, Dornauberg und Wilhelm Kröll, Dornauberg. Das Lehrmaterial war diesmal besser als im Vorjahre und die Verlängerung des Kurses auf 12 Unterrichtstage erwies sich als sehr förderlich. Die Prüfung in Salzburg und Bozen fanden unter dem Vorsitz des I. Präsidenten des Zentral-Ausschusses Dr. Ipsen statt.

Festliche Veranstaltungen fanden bei keinem der Kurse statt. Bei sämtlichen Kursen waren diesesmal die Lehrmittel erheblich vermehrt worden. Bemerkt mag noch werden, dass jene Teilnehmer, welche im Vorjahr zurückgestellt worden waren und heuer den Kurs wiederholten, diesmal mit überraschend gutem Erfolg abschlossen. Nach der bestandenen Bergführerprüfung 1903 erhielt Johann Fiechtl seine „behördliche Conzessionierung“ als Bergführer 1904 und hatte für dieselbe bereits alle Hauptgipfel der Zillertaler Alpen und den Mont Blanc vorzuweisen.

Als Bergführer hatte er damals nach wie vor seinen Hauptstützpunkt auf der Berliner Hütte, das Gebiet, das er schon seit seiner Jugendzeit gut kannte. Fiechtl fand vor allem am Fels großen Gefallen und verfeinerte vor allem am Feldkopf 3085 m (Zsigmondyspitze) seine Felstechnik weiter und baute sie bis für die damaligen Zeiten höchsten Schwierigkeitsgrad VI aus. Mit dem Träger und Seilpartner Hans Hotter („Schualhaus Honis“) aus Ginzling gelangen ihm dabei an diesem Berg mehrere Erstbegehungen: 1910 die NO- Wand und 1911 der Südsüdostgrat Schlüsselstelle V-, die Feldkopfkante (ONO- Grat) V-. Fiechtl war der Führende und erzählte: >>Wir waren in der senkrechten, völlig glatten Wand aus Glimmerschiefer in einer ausweglosen Situation. Hotter bangte um sein Leben, aber ich habe doch wieder weitergefunden. << Damit war die damals schwierigste Kletterei Tirols eröffnet, die erst 19 Jahre später durch Peter Aschenbrenner einen Wiederholer fand. In das gleiche Jahr fiel die Erstbesteigung der Südwestkante V- A0 mit dem Bergführer und Seilpartner Michael Kröll (07. Juli 1911).

Kurz vor dem Krieg wechselte Hans Fiechtl in die nördlichen Kalkalpen wo er als Hüttenpächter zuerst eine Talherberge der Du.OeAV- Sektion Holzgau und später die Memminger Hütte als Pächter betrieb.

Den Krieg erlebte Hans Fiechtl als Soldat bei einer Gebirgstruppe. Während dieser Zeit infizierte er sich schwer mit Malaria. Der zunächst gelegentlich als Heilmittel eingesetzte Alkohol wurde dann auch für den täglichen Genuss geschätzt, der in weiterer Folge zur Abhängigkeit führte.

In keinen der vorhandenen Aufzeichnungen wird jedoch angeführt, dass Hans als Bergführer jemals die Grenze zum Unverantwortlichen überschritten hätte. Nach dem ersten Weltkrieg begann er wieder als Bergführer in den Zillertaler Alpen tätig zu werden.

1923 wechselte er ins Kaisergebirge und hatte fortan seinen Stützpunkt am Stripsenjochhaus, wo er mit seiner Pfeife, die auch zum Grüßen kaum aus dem Mund kam, vor allem nicht, wenn er vor seinem Schachbrett saß, gut zu erkennen war. Er liebte Frohsinn und Wein, war ein unbekümmerter Draufgänger, aber auch ein eiserner Kamerad.  Er hielt als Meister der Haken- und Seiltechnik für die DuOeAV- Sektion Kufstein, deren Mitglied er wurde, Kletterkurse ab. Trotz seiner bereits ergrauten Schläfen versuchte er mit der weiterstürmenden Jugend mitzuhalten. Fiechtl erwarb sich damit einen gewissen Eindruck der Unverwüstlichkeit. Dabei lernte Fiechtl Hans Dülfer kennen. Für Dülfer waren die ersten Begegnungen mit Fiechtl befremdend. Dülfer konnte als Antialkoholiker zum einen dem Lebensstil von Fiechtl nichts abgewinnen und ebenso stand Dülfer dem Gedanken gänzlich bergsteigerischen Anfängern die ersten Schritte im Felsen zu vermitteln mit Vorbehalt gegenüber. Gerade jedoch dieser Fiechtl war gegenüber Dülfer der Vermittler des Wissens über den Umgang mit Haken und den Nutzen für einen neuen Weg im Klettersport. Die beiden so unterschiedlichen Bergsteiger verband mehr eine Zweckgemeinschaft, wie Franz Nieberl in einem Bericht wiedergab. „Dülfer stand… zu Fiechtl nicht im Freundschaftsverhältnis, das weiß ich genau.“ Eine dauernde Verbindung zu Dülfer blieb bestehen, die sich nach den gemeinsamen Klettertouren, wie die Guffert- Südkante V/A0 und einen Tag später die Hochiß- Nordwand, sowie die Erstbegehung des Botzongkamins am Predigtstuhl, fortsetzte und festigte.

Durch den Stil und den erreichten Schwierigkeitsgrat seiner Erstbegehungen vornehmlich am Feldkopf war der Name Hans Fiechtl in der damaligen Kletterszene, angeführt von Paul Preuß, Tita Piaz und Otto Herzog, bekannt und anerkannt, wobei letzterer auch Seilpartner bei der Erstbegehung der Schüsselkarspitz Südwand war. Sein Seilgefährte, der damals bereits berühmte Otto Herzog berichtet:

>> Fiechtl geht nun voraus. Sein Antlitz ist finster und trotzig. Mir wäre es viel wohler, wenn ich an Fiechtl´s Stelle wäre. Plötzlich fliegt er lautlos und pendelte am Seil in die Falllinie hinüber. Seil, Karabiner und Mauerhaken halten. Frech und ohne Erholungspause geht Fiechtl die Stelle nochmals an. Mit gleichem Resultat: Sturz! Ein dritter Versuch endet ebenso. Kurze Zeit später an der Pendelstelle: Der ehrgeizige Fiechtl wünscht weiterhin den Vortritt. Einen Mauerhacken zwischen den Zähnen, trat er die Luftreise an, und nach einigen Versuchen glückte es ihm, sich links drüben zu verkrallen und bei einem Blümchen einen Haken einzutreiben. Die schwierige Kletterei und das Akrobatenstück haben viel Zeit gekostet und mussten mit einem Biwak bezahlt werden. Namhafte Klettergrößen wie Dülfer, Preuß und Piaz scheiterten an dieser Plattenflucht <<.

Die meisten seiner schwierigsten Erstbegehungen und Wiederholungen bewältigte er aber mit weniger bekannten Kletterern, sehr oft mit dem bereits erwähnten Hans Hotter (Schualhauser), mit anderen Bergführern, aber auch im Zuge von Führungstouren, was seinen Ruf als „unzweifelhaft erfolgreichsten Bergführer der letzten alpinen Entwicklungsgeschichte“ festigte. Obwohl Hans Fiechtl als kühner und leistungsstarker Kletterer bekannt war, hatte er auch die nötige Kunst des vertrauensschenkenden Bergführers in sich und so ist es nicht verwunderlich, dass Hans Fiechtl auch von der damals jungen Bewegung des Damenbergsports Aufträge erhielt. Damen mit entsprechendem Ehrgeiz und Können wurden zum Teil auf Erstbegehungen mitgenommen, so 1921 Frau M. Schätzel bei der Erstbegehung der N- Wand des kleinen Mörchners Stelle V-.

Eine sehr leistungsstarke Seilpartnerin fand Hans Fiechtl in Frau Lisl Rhomberg mit der ihm die Wiederholung der Feldkopfkante gelang. Sein Urteil zur Wiederholung der Nordostwand des Feldkopfs mit Frau Rhomberg im Jahre seines Todes lautete:

 >>Die Nordostwand des Feldkopfs ist heute noch die schwerste aller mir bekannten Wände und erfordert bei schnellem Klettern 10 Stunden. <<

Diese Wiederholung der Nordostwand des Feldkopfs wagte Lisl Rhomberg nach intensivem Training 1923.

Lisl Rhomberg nannte Fiechtl den besten Führer. So kam es auch, dass sie mit ihm in der Fleischbank Ostwand eine neue Variante eröffnete, einen Riss, der zum Ende des ersten Quergangs hinaufzieht. Sie nannte ihn Fiechtlriss, Fiechtl nannte in Rhombergriss und so ist er im Kaiserführer nachzulesen.

Eine weitere Größe der damaligen Zeit war Milana Jank, ein Kletterstar der zwanziger Jahre und erste Frau in der Dülfer- Westwand des Totenkirchls. Sie betrachtete Fiechtl mit den Augen einer Frau: Er war für sie ein „Übermensch“ der Berge. Das Totenkirchl war das Revier des Bergführers Hans Fiechtl. „Das Kirchl“ war gleichsam sein Eigentum. Er hatte als gerade mal Vierzigjähriger alle 53 Anstiegsrouten mehrmals begangen, viele davon selbst entdeckt und erstbegangen. Fiechtl wirkte für diese Frau nicht weniger unheimlich wie der Berg. Er war nicht verheiratet und hatte keine direkten Nachkommen. Sein Vorleben für diese Frau undurchsichtig. Man sagte ihm nach, dass er ein Gymnasium besucht hätte. Jedenfalls sprach er ganz leidlich italienisch und englisch. In den Wintermonaten pflegte er unsichtbar zu sein. Da war er auf Reisen – diese Reisen brachten ihn nach Amerika und bis zum Orient. Er redete nie ausführlich darüber.

Mit Paul Preuß als Vertreter des sauberen, reinen Kletterstils diskutierte er ausgiebig über die Klettertechnik. Preuß Einstellung zum „Mauerhaken“ war geprägt von dem Grundsatz diesen nur im allerhöchsten Notfall / Rettung und nie zur Fortbewegung zum Einsatz zu bringen.

Hans Dülfer als dessen Lehrmeister im Bezug auf Hackentechnik Fiechtl genannt wird und Otto Herzog waren erste Vertreter der, sich in den 60iger Jahren erschöpften technischen Kletterei.

Als Bergführer war Fiechtl konsequenterweise auch die Sicherungstechnik ein großes Anliegen. Sein handwerkliches Verständnis ermöglichte ihm 1910 die Erfindung des ersten zuverlässig zu verwendenden Felshaken. Ein Kunstwerk aus dem passenden Eisen, eine sich ideal nach unten verjüngend Form und Länge mit geschlossener Öse für den Karabiner – ist als Meilenstein der alpinen Sicherheit zu nennen.

Schultersicherungen, der wenig sichere Mauerhacken (ein einfacher Eisenstift) gehörten ab diesen Zeitpunkt der Vergangenheit an. Die Nachteile des bis dahin verwendeten Mauerhackens waren, dass kein zuverlässiges System zum Seilverlauf herzustellen war und das Schweißverfahren der damaligen Zeit keine befriedigenden Festigkeitsergebnisse für aufgeschweißte Ösen erzielten.

Fiechtl dagegen, ließ von einem Schmied aus Münster Haken aus Weichstahl anfertigen, die mitsamt der Öse aus einem Stück geschmiedet waren und deren Stift sich zur Öse hin leicht verbreitet, sodass sie im Riss durch verkeilen eine verlässliche Festigkeit erreichten. Das Ergebnis dieses technischen Hilfsmittels war die Grundlage zuverlässiger Selbst- und Kameradensicherung wie sie heute noch Anwendung findet, eine Steigerung des Schwierigkeitsgrades, neue Klettertechniken wie beispielsweise Pendel-Quergänge und Abseilen per Dülfersitz waren nun möglich. Der nach ihm benannte Haken wird heute noch in nahezu gleicher Bauart erzeugt und verwendet, seltener um eine bewegliche Öse am Ende (erste Form eines Ringhackens) erweitert

Mit Anna Gärtl war Hans Fiechtl dabei eine Familie zu gründen. Sein Verantwortungsgefühl zur finanziellen Sicherheit gegenüber seiner Familie die bereits zwei Kinder (Heinrich und Aloisia später verheiratete Mühlauer, Mutter der 1942 geborenen Ilse Mühlauer verh. Pendl/ Zell a. Ziller,) hervorbrachte und seiner erneut schwangeren Frau (auf Grund der schrecklichen Umstände kam es zum Verlust des Ungeborenen), die Hans ehelichen wollte, ließ Hans für ihn ungewöhnlich an einem hohen kirchlichen Feiertag (Portiunkula- Ablass 02. August - zur damaligen Zeit landesweite Prozessionen, entweder am Sonntag davor - 01.August 1925 - oder dem Sonntag danach) eine Führungstour übernehmen. Dabei stürzte Fiechtl beim zweiten Durchstieg einer von ihm selbst erstbegangenen Route im Abstieg am Nordwandsockel des Totenkirchls im Kaisergebirge tödlich ab. An einem verregneten Vormittag des 1. August 1925 war er mit seinem Gast, Dr. Alfred Kretz aus Heidelberg, vom Totenkirchl Hauptgipfel zurückgekehrt. Nach Wetterbesserung stiegen die beiden zum Nordwandsockel gegen den Wildanger ab. Als die größten Schwierigkeiten schon hinter ihnen waren, passierte es. Sein Seilgefährte, Dr. Kretz berichtete später: >>Fiechtl war etwa fünf Meter über mir, als er plötzlich auf dem Schrofen ausglitt. Ich selbst habe den Moment des Ausgleitens nicht beobachtet, doch wurde es vom Stripsenjoch aus wahrgenommen, dass er mit beiden Füßen ausrutschte. Fast senkrecht stehend, mit auffallend dunkelblau (cyanotisch) verfärbtem Gesicht mir zugewandt, fiel er lautlos, schon mit großer Wucht, an mir vorbei an der mauerglatten Wand in die Tiefe. Leider hielt das Seil der Wucht des hohen freien Falls nicht Stand und riss. Ich sah noch wie Fiechtl über das Geröll rollte und regungslos liegen blieb.<< Möglicherweise, so der Mediziner in einem Schreiben an den Alpenverein und weitere Zeugen seiner letzten Bergfahrt, muss ihn ein Schlaganfall inmitten seiner Lebensfreude oder wahrscheinlicher ein Herzinfarkt versterben lassen. So wird auch die Todesursache in der Statistik der tödlichen Unfälle im Kaisergebirge in der Alpenvereinssektion Kufstein geführt, da das besagte Gebiet von dort aus betreut wurde. Als begeisterter Bergsteiger starb Fiechtl wahrscheinlich den einzig für ihn in Frage kommenden Tod. Ein der zweifellos erfolgreichsten Zillertaler Bergführer und Bergsteiger der alpinen Entwicklungsgeschichte war tot. Am 6. August 1925 wurde Hans Fiechtl in seinem Heimatfriedhof beigesetzt. Viele der damaligen Kletterelite, angeführt von Peter Aschenbrenner, gaben ihm das letzte Geleit. Zu einem Denkmal für Hans Fiechtl kam es trotz von Franz Nieberl angeregter Sammlung nicht. Sein Denkmal setzte er sich selbst mit „seinem“ Haken, dem Fiechtlhaken und der Erstbegehungen der Fiechtl- Herzog an der Schüsselkarspitze und der Fiechtl – Weinberger am Predigtstuhl.

Tourenberichte:

Auf die Zsigmondyspitze eröffnete Hans Fiechtl fünf neue Routen, darunter eine durch die Nordostwand mit Hans Hotter: Originalabschrift vom 18. Juli 1910:

„Erste und direckte Ersteigung des Feldkopfes aus der Floite.

Wir verliessen um 3 Uhr Früh das Gasthaus zum Steinbock und erreichten in 2 ½ Stunden den Fuss des Feldkopfes. Der Einstieg erfolgte durch die linke der beiden in das Wandmassif führenden Schneerinnen, welche wir bis zum Ende verfolgten. Hier wurde der linke Ast derselben gesperrt, und durche einen ungefähr 100 m. hohen Kamin im Ban erreicht, das wir nach links verfolgten, und dann weiter durch sehr steile Rinnen und Kamine auf den Grat der sich direckt  in die Floite hinunterzieht, und über denselben in schöner luftiger Kletterei zur Scharte neben dem Steinmann, und in wenigen Minuten auf den Gipfel. Die Kletterei ist ausserordendlich schwer und dauert ungefähr 11 Stunden. Es dürfte wohl die schwerste Tour der Alpen sein, den es muss jeder Schritt mit äusserster Anstrengung bezwunden werden.

Hans Fiechtl aut. Bergführer
Hans Hotter Träger

Fiechtl und Hotter wiederholten 1910 die damals auch schwierigste Kaiserroute, die Totenkirchl-Piazwand. Im gleichen Jahr Olperer-Nordostwand. Im Rofan mit Hans Dülfer die bereits erwähnte Guffert-Südkante und Hochiß-Nordwand und mit E. Schmid das berüchtigte »Y« in der Seekarlspitze-Nordwand – eine Rissreihe die Fiechtl als seine letzte Problemwand bezeichnete. Gemeinsam mit Ernst Schmid wurde mit der begangenen Route ein Musterbeispiel für den modernen Klettersport geboren. Vor allem das erste Zusammentreffen mit Ernst Schmid sagt alles über den Charakter von Hans Fiechtl. Ernst Schmid in einem von ihm verfassten Bericht:“ Hans Fiechtl aus Münster war ein begeisterter Bergsteiger, kein Bergführer, dem es in seinem Beruf nur ums Geldverdienen ging. Er verband sich bereitwillig auch ohne Lohn mit Führerlosen, vor allem dann, wenn irgendwo in den Alpen eine pfundige Erstbegehung winkte!“

1911 im Kaiser, Versuch mit Georg Sixt Fleischbank-Ostwand dazu im AV- Führer: „Anfang dieses Jahrhunderts versuchte sich nicht nur H. Dülfer mit dem Seilquergang, auch Otto Herzog, H. Fiechtl und G. Sixt laborierten damit herum. Herzog und Deye versuchten sich bereits 1910 an der Ostwand und kamen bis zum Beginn der Spiralrisse. Im Oktober 1911 bewältigte Sixt und Fiechtl bei einem weiteren Versuch die Spiralrisse und den ersten Seilquergang, mussten wegen Schlechtwettereinbruch jedoch abseilend einen gewagten Rückzug antreten. Damit aber war die erste, von unten erkennbare, Schlüsselstelle gelöst und ein Seilquergang erstmals in den Alpen erfolgreich angewandt worden. Am 15. Juni 1912 glückte dann Hans Dülfer und W. Schaarschmidt nach zwei erfolglosen Versuchen wenige Tage zuvor der endgültige Durchstieg. Dies stellte damals die entscheidende Wende in der Entwicklung der Klettertechnik dar. 1912 mit Hans Dülfer Predigtstuhl-Hauptgipfel-Westwand und Lärcheck-Ostwand. In der Totenkirchl-Westwand: Fiechtlkamin. 1913 mit Otto Herzog Spitzenleistung im Wettersteingebirge: Schüsselkarspitze-Südwand. Weitere Neutouren im Wilden Kaiser: Fleischbank-Nordwestwand, Onkel-Fickel-Riß, Totenkirchl-Nordwandsockel und

1923 Fiechtl-Weinberger-Route durch die Westwand des Predigtstuhl-Nordgipfels. Dieser kühne Anstieg zählte lange zu den schwersten Kletterein im Kaiser und war von der damaligen Kletterelite heiß umkämpft. Weinberger führte acht Stunden lang an Rissen und Überhängen bis zum Gipfel. Die Fiechtl-Weiberger steht noch heute hoch im Kurs. Erste Begehung des nach ihm benannten Fiechtlturms in der Sellagruppe, Südwand des Vajolet- Hauptturms, Einserkofel Nordwand;

Hans Fiechtl 1884 – 1925 Auzug aus den Touren:

1891 Dritte Hornspitze / Nordwestgrat, 1913 Einser Nordwand Zentrale / Fiechtl - Deye - Austieg, 1913 Einser Nordwand Zentrale / Fiechtl - Deye -Variante, 1913 Fiechtlturm Nordostanstieg; 1922 Fleischbank Nordwestwand / Fiechtlführe, 1923 Fleischbank Ostwand / Rhombergriß, 1911 Guffert Hauptgipfel Südkante / Dülfer-Fiechtl, Hochiß Nordwand / Alter Weg Dülfer Fiechtl, 1910 Großer Igent / Übergang zur Hennsteigenspitze, 1912 Lärcheck Hauptgipfel Ostwand /  Dülferführe, 1921 Kleiner Mörchner / Nordwand, 1910 Olperer / Nordostwand Fiechtl-Route; 1910 Olperer Westflanke / Eisenweg, 1913 Croda Passaporte / Nordnordwestgrat; 1912 Predigtstuhl Hauptgipfel / Westwand Dülferführe; 1910 Predigtstuhl Hauptgipfel Westwand / Fiechtl, 1923 Predigtstuhl Nordgipfel / Westwand Fiechtl-Weinberger-Führe; 1908 Roßkopf Südgipfel / Südwand; 1913 Schüsselkarspitze Südwand / Fiechtl-Herzog; 1923 Seekarlspitze Nordwand / Direkter Weg über das Ypsilon; 1923 Seekarlspitze Nordwand / Trichterweg; 1924 Erster Sellaturm Linker Südpfeilerriß / Fiechtl; 1922 Mitterer Sonnenkogel / Südgrat; 1911 Sonnjoch Karwendel Nordostwand / Alte Dülfer- Fiechtl-Führe; 1923 Torstein / Südwand; 1923 Totenkirchl Nordostwandsockel / Onkel-Fickel-Riß am Sockel Gokoloreriß; 1922 Totenkirchl  U- Weg; 1922 Totenkirchl Variante zum Fiechtl U; 1913 Totenkirchl Westwand / Fiechtlkamin zur 1. Tersasse; 1913 Totenkirchl Westwand / Fiechtlvariante zur Piazführe; 1924 Vajolettürme Hauptturm, Südwand; 1909 Zahnkofel Nordwestwand / Fiechtl-Steve; 1913 Kleine Zinne Ostwand / Fiechtl-Katzer-Variante; 1910 Feldkopf - Nordostwand; 1911 Zsigmondyspitze Ostnordostgrat (Feldkopfkante); 1911 Zsigmondyspitze Süsüdostgrat;

Nachrufe zum Tod von Hans Fiechtl:

In den Mitteilungen des DuOeAV 1925 von Adolf Deye ist zu lesen:

>>Bergführer Hans Fiechtl. Der unzweifelhaft erfolgreichste Bergführer der letzten alpinen Entwicklungsgeschichte, Hans Fiechtl, ist am 1. August i. J. im Kaisergebirge tödlich verunglückt. Ursache seines Absturzes war vermutlich ein plötzlicher Schwächeanfall an einer an sich nicht besonders schwierigen Kletterstelle, deren Bezwingung seiner außerordentlichen Kletterkunst sonst gewiß ein Leichtes gewesen wäre.<<

Die alpine Tätigkeit Fiechtls hat sich über die ganzen Ostalpen erstreckt. Er war einer jener ganz seltenen Führer, die nicht um des Lohnes willen in die Berge gingen, sondern aus reinem alpinem Interesse. Nicht nur unser bester Bergführer ist mit ihm dahingegangen, sondern auch einer unserer besten Alpinisten überhaupt. Viele seiner Erstbesteigungen führte er mit gleichwertigen Alpinisten als treuer Bergkamerad aus und ließ diese Zeit ungenützt, die ihm als Führer gewinnbringend gewesen wäre. In Gemeinschaft mit den Unterzeichneten gelang ihm eine Reihe erfolgreicher Besteigungen in den Dolomiten, darunter die Bezwingung der gewaltigen Nordwand des Einserkofels auf einem neuen, großartigen Weg, der auch heute noch zu den schwierigsten alpinen Unternehmungen in den Ostalpen zählt. Seine glanzvollste Leistung im Fels war aber die mit Otto Herzog durchgeführte erste Besteigung der Südwand der Schüsselkarspitze im Wettersteingebirge, wo die letzten Grenzen alpinen Könnens erreicht worden sind. Bemerkenswert sind seine Bergfahrten in den Zillertaler Alpen, so z.B. verschiedene neue Anstiege auf die Zsigmondyspitze und die 1. Ersteigung der Nordwand der Seekarlspitze im Rofan. Es wären noch zahllose Ersteigungen im Kaiser, Karwendel, in den Dolomiten und vielen anderen Gebieten zu nennen, um ein erschöpfendes Bild von der alpinen Leistung Fiechtls zu gewinnen. Im Ganzen genommen, können wir sagen, dass ein so reiches Bergsteigerleben seinen Abschluss gefunden hat, wie es nur ganz wenigen, den Durchschnitt weit überragenden alpinen Bahnbrechern beschieden war.

Der „Kaiserpapst“ Franz Nieberl, Kaiserkenner ersten Ranges, sagte über Fiechtl:
„Viel Lob für einen Mann aus dem Zillertal, dem das Bergsteigen zur Lebensaufgabe wurde.“

 »Er war ein sportlicher Kletterer höchster Vollendung, dazu ein Bergsteiger im besten Sinne des Wortes, der bestimmt viel mehr darauf ausging, mit gleichgesinnten Kameraden Bergfahrten zu unternehmen, als Führerlohn einzuheimsen. Ein Prachtkerl!«

Persönliche Eintrag von Freund und Kletterpartner Ernst Schmid: 1. August 1925
Todestag meines lieben Berggefährten : Bergführer Hans Fiechtl, welcher bei Erkletterung des von ihm benannten „ Eggersteiges „ am untersten Sockel der Totenkirchl Nordwand infolge Schlaganfalls tödlich verunglückte! Absturzhöhe (völlig frei) 60 – 70 m. Nun liegt er stumm im Friedhof zu Münster Der kühne Meister im Fels, wohl einer der Besten seiner Zeit! Langsames Siechtum hatte seine stählernen Muskeln gelähmt, vom Schlage an leichter Kletterstelle gerührt, glitt er lautlos zu Tiefe. „ Ich hatt`einen Kameraden, einen bessern findst Du nit ! „Hans lebt fort im Geiste!

Eintrag Frau Lisl Romberg 02.07.1922 Gästebuch Berliner Hütte

Quellenverzeichnis:

Wikipedia, Schrift der DAV Sektion Berlin 125 Jahre Berliner Hütte, Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins 1902 u. 1925, Alpingeschichte kurz und Bündig von Gudrun Steger; Der Bergsteiger 1982, Heft 8, Seite 35, Alpin-Wiki Oberhuber Klaus; Rudolf Rother Verlag Seria Alpenvereinsführer Kaiser Gebirge,

Bildquellen: Wikipedia, Familienbesitz: Hans u. Ilse Pendl Urenkelin von Hans Fiechtl

Irma Wechselberger Urnichte zu Hans Fiechtl, Wierer Stefan Bergführer;

#365 Tage Freude am Ursprung